Frage:
Zitat:
"Moderne Form von Scheinarbeit"
Arbeit oziologe Klaus D%26ouml;rre %26uuml er Ein-Euro-Jo , Tagel%26ouml;hner und die neue U icherheit
herr Profe or D%26ouml;rre, im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wird vor allem mehr Flexibilit%26auml;t von den Arbeitnehmern verlangt. Weniger K%26uuml digung chutz, flexible Arbeitszeiten, Niedrigl%26ouml;hne oder ertragsabh%26auml gige Entlohnung sollen mehr Jo schaffen. Sind die Deutschen zu starr, zu unflexibel?
Die Disku ion um Flexibilisierung ist ein Diskurs, den die Elite der Nation mit sich selber f%26uuml;hrt. Er ist v%26ouml;llig abgehoben von der Realit%26auml;t derer "dort unte quot;, deren Arbeitsleben bereits kr%26auml;ftig flexibilisiert worden ist. Es wird h%26auml;ufig %26uuml ersehen, da die Prekarisierung in Deutschland rasch vora chreitet.
Was ist Prekarisierung?
Es bedeutet die Au reitung u icherer, ungesch%26uuml;tzter, eben prek%26auml;rer Besch%26auml;ftigungsverh%26auml;ltni e. Das sind Arbeit l%26auml;tze, die die Existenz des Erwer t%26auml;tigen auf einem bestimmten kulturellen Minimum nicht mehr dauerhaft sichern. Es ist eine neue Armut in Form von Zeit- und Leiharbeit, befristeter Besch%26auml;ftigung, Mini- oder Gelegenheitsjo . Prekarisierung bedeutet die Entsicherung des Lebe und die R%26uuml;ckkehr der sozialen U icherheit in die reichen Nationen...
Arbeit l%26auml;tze waren in der Marktwirtschaft aber nie sicher.
Aber prek%26auml;re Arbeitsverh%26auml;ltni e breiten sich aus und sind in vielen Branchen inzwischen normal. Im Fleischergewerbe oder im Bereich Nahrung, Genu , Gastst%26auml;tten gibt es kaum noch regul%26auml;re Normarbeitsverh%26auml;ltni e. 2004 hatten fast 13 Prozent aller Besch%26auml;ftigten in Deutschland eine befristete Stelle, von den unter 20-j%26auml;hrigen waren es bereits 40 Prozent. In der gesamten Metall- und Elektroindustrie wird nur noch befristet eingestellt. Im Jahr 2000 arbeiteten noch 15,3 Prozent aller Besch%26auml;ftigten im Niedrigloh ektor, inzwischen sind es 17,4 Prozent, die meisten dieser Arbeitsverh%26auml;ltni e sind prek%26auml;r. Die Zahl der Leiharbeiter hat sich bi en weniger Jahre verdo elt, immer mehr freie Mitarbeiter und Praktikanten bev%26ouml;lkern die Unternehmen und sogar Tagel%26ouml;hnerei ist wieder m%26ouml;glich. Besch%26auml;ftigungsaufbau gibt es fast nur noch bei den irregul%26auml;ren Stellen wie Teilzeit, Mini-Jo und %26auml;hnlichem.
Wie bei Ein-Euro-Jo ?
Die w%26uuml;rde ich eher als eine moderne Form von Scheinarbeit bezeichnen. De die Stelle existiert nicht zur Finanzierung des Lebe unterhalts - der wird vor allem aus dem Arbeitslosengeld bestritten. Der Ein-Euro-Job existiert nur, damit der Arbeitende seine uuml;tzlichkeit f%26uuml;r die Gesellschaft demo trieren oder Auflagen erf%26uuml;llen ka . hier sind die %26ouml;konomische und die soziale Funktion von Erwer arbeit entko elt.
Gehofft wird aber darauf, da der Ein-Euro-Job ein rungbrett in den regul%26auml;ren Arbeitsmarkt sein ka .
Das ist er nicht. Weder f%26uuml;r Leiharbeiter noch f%26uuml;r Ein-Euro-Jo er gibt es da gro zlig;e Erfolge zu vermelden.
We immer mehr Jo die Existenz nicht mehr dauerhaft sichern, haben wir da bald alle zwei bis drei Jo ?
Das ist in Anf%26auml gen bereits der Fall. Doch noch ist in der deutschen Gesellschaft der A ruch stark verankert, da ein Job existenzsichernd sein mu . In Amerika ist das anders.
M%26uuml en deutsche Arbeitnehmer nicht billiger und flexibler werden? Schlie zlig;lich ist die Konkurrenz mit dem Ausland hart.
Im Ausland wird ebenfalls prekarisiert. Es ist ein Wettlauf nach unten. Das mag den Unternehmen gefallen, de sie k%26ouml en regul%26auml;re Stellen durch billigere ersetzen. Zudem sind Prekarisierte nicht nur billiger, sie %26uuml en dar%26uuml er auch Druck auf die Stammbelegschaft aus. Die Stammarbeiter haben im Betrieb st%26auml dig jene vor Augen, die alles tun w%26uuml;rden, um ihrer U icherheit zu entkommen und f%26uuml;hlen sich bedroht. Die Stammbelegschaft f%26uuml;rchtet sich vor der Arbeitslosigkeit, die Aushilfskr%26auml;fte tr%26auml;umen von einer festen Stelle, und das schafft den auml;hrboden, auf dem tarifvertragliche Normen ausgeh%26ouml;hlt werden.
Birgt das sozialen rengstoff?
Wer vom sozialen A tieg bedroht oder betroffen ist, neigt zu so gena ter Staatsverdro enheit, rich: Er f%26uuml;hlt sich vom politischen System nicht mehr repr%26auml entiert, und er ist es auch nicht. Sein Re entiment richtet sich da sowohl gegen "Die da obe quot; wie auch gegen sozial verwandte Gru en: Ausl%26auml derfeindschaft, Ra ismus nehmen zu, nicht nur unterschwellig.
Ka man die Unruhen in Frankreich als Aufstand der u icher Besch%26auml;ftigten bezeichnen?
Jene, die dort derzeit Autos anz%26uuml den, geh%26ouml;ren zur untersten Kategorie. Sie sind nicht einmal mehr u icher besch%26auml;ftigt, sondern sie sind vom legalen Arbeitsmarkt v%26ouml;llig abgeko elt. Es sind Langzeitarbeitslose oder arbeitslose Kinder von Langzeitarbeitslosen, die keine Chance mehr haben oder sehen, in das Besch%26auml;ftigung ystem hinein zu kommen. Stattde en leben sie in einer Art Sub-Gesellschaft.
Gibt es das in Deutschland auch?
Ja, diese Gru e ist zwar noch relativ klein, aber sie w%26auml;chst. hier in Ostdeutschland gibt es bereits einige Tr%26auml;ger von Arbeitsma zlig ahmen, die zugeben m%26uuml en, da sie die arbeitslosen Jugendlichen nicht mehr erreichen. De diese wollen gar nicht mehr in regul%26auml;re Erwer arbeit hinein. Sie sehen keine Chance auf einen normalen Job, das geh%26ouml;rt nicht mehr zu ihrem Lebe entwurf. Stattde en schlagen sie sich anders durch - mit informeller Arbeit, Kleinkriminalit%26auml;t oder Schwarzarbeit. So entko elt sich diese Gru e von der offiziellen Gesellschaft.
Was ka die Politik gegen diese Entwicklung tun?
Zu auml;chst mu man sich klar machen: Die Prekarisierung ist Erge is der Arbeitsmarktpolitik. Sie ist also politisch gewollt und wird vorangetrieben, zum Bei iel mit der Aush%26ouml;hlung des K%26uuml digung chutzes, die jetzt in den Koalitio ge r%26auml;chen verei art wurde. Die Gewerkschaften m%26uuml en daher begi en, f%26uuml;r die Betroffenen eine Intere envertretung aufzubauen, wie es die italienischen oder amerikanischen Gewerkschaften bereits tun. Und ganz prinzipiell braucht es nat%26uuml;rlich eine breite gesellschaftliche Disku ion dar%26uuml er, ob wir den Weg der Entsicherung des Lebe weiter gehen wollen. An Bei ielen wie der Deutschen Bank sieht man doch, da Prekarisierung der Belegschaft oder Entla ungen auch bei gigantischen Gewi en erfolgen. Prekarisierung ist also kein Schicksal oder betrie wirtschaftlicher Zwang, sondern eine Strategie und damit Entscheidung.